Weissburgunder – ein unterschätzer Wein

Wein ist nicht gleich Wein. Viele Genießer haben sich auf eine bestimmte Weinsorte eingeschossen – bevorzugen damit Rotweine, Roséweine oder Weißweine. Wer nun schon seit Jahren immer mal wieder gerne einen Schoppen am Abend trinken – das schadet sogar nach der Meinung von vielen Ärzten nicht. Die Geschmäcker bei Weinen gehen allerdings teils weit auseinander. Dieses Auseinanderdriften bei den Geschmäckern beim Wein machen sich nicht nur innerhalb der Sorten Rotwein, Rosé und Weißwein bemerkbar. Auch innerhalb der Sorten gibt es süße, halbtrockene und trockene Weine. Und es geht sogar noch weiter. Denn innerhalb der süßen, halbtrockenen und trockenen Weine gibt es nicht nur Qualitätsunterschiede, sondern auch Geschmacksunterschiede. Weinkenner schmecken sogar die Feinheiten heraus auf welchem Boden die Reben stehen, die die Trauben getragen haben, aus denen der Wein, den sie gerade verkostet, gekeltert wurde. Dabei denken sich viele, dass es irgendwann auch Zeit wird neue Weinsorten zu entdecken. Eingeschweißte Weinkenner zum Beispiel sind durchaus bereit auch mal einen guten Weißwein zu probieren. Hierzu eignet sich ganz besonders der Weißburgunder, obwohl er nicht zu den beliebtesten Weinen der Welt zählt.

Was zeichnet den Weißburgunder aus

Der Weißburgunder trägt viele Bezeichnungen, wie Weißer Burgunder und Pinot blanc (so wird er in Frankreich genannt) und Pinot bianco (so wird er in Italien genannt). Weißburgunder wird schon seit dem 14. Jahrhundert gekeltert. Der Grund, warum dieser Weißwein als Burgunder bezeichnet wird, ist dass diese Art von Weisswein bzw. die Pinot-Sorten erstmals im Gebiet zwischen dem Genfer See in der heutigen Schweiz und dem Rhônetal im heutigen Frankreich angebaut wurden. Dabei entstand der Pinot blanc auf der Basis einer Mutation aus Grauburgunder. Und diese Rebsorte gibt es vermutlich schon seit 2.000 Jahre. Das Schweizer Kanton Wallis wird heute als Ort des Ursprungs der traditionellen Rebsorte angesehen. Später – im Mittelalter – gelangte die Rebsorte durch den Orden der Zisterzienser in den Rheingau. Und von hier aus verbreitete man die Rebsorte über ganz Europa. In Frankreich kam die Rebsorte wohl im frühen 19. Jahrhundert an. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 1895.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dabei Pinot blanc und Chardonnay in den Weingarten wegen ihrer großen Ähnlichkeit nicht auseinandergehalten und gemeinsam kultiviert. Chardonnay Reben reifen allerdings früher heran und haben eine geringere Botrytisanfälligkeit. Weißer Burgunder gehört indes zu den mittelspäten Rebsorten. Dabei sind die Weißen Burgunder-Reben erst mit Beginn der Reifephase bzw. durch den Farbumschlag der Beeren sicher vom Blauen Burgunder und dem Ruländer zu unterscheiden. Die Rebsorte bereitet dabei in den Weingärten sehr wenig Probleme. Für zu trockene und leichte Böden ist die Rebsorte allerdings nicht geeignet. Die Trauben sind sehr dichtbeerig und sind sehr gut ausdünnbar mit Gibberellinsäure (GA3). Die Rebsorte verfügt allerdings nur über eine mittlere Winterfrostbeständigkeit. Dies bedeutet, dass Pinot blanc hohe Lageansprüche hat, damit ein hohes Mostgewicht und eine gute Qualität erzielt werden kann. Die Böden müssen über eine ausreichende Wasserspeicherfähigkeit verfügen und benötigen einen höheren Kalkgehalt. Im Idealfall sollte der Boden mittelschwer sein und die Lage warm und weniger frostig. Gesteinsböden und Sandböden sind eher ungeeignet.

Typisch für den Weißburgunder ist die grünlich-gelbe Färbung. Je nach Winzer ist der Wein in einer weißen oder in einer grün-gelblichen oder grünen Flasche abgefüllt. Je nach Anbaugebiet kann der Weiße Burgunder von de Farbe her auch etwas blasser ausfallen und nur einen hellgelben Stich haben.

Geschmack

Weißburgunder ist ein sehr gehaltvoller Wein. Der Geschmack erinnert an Äpfel und schmeckt auch pikant und etwas säuerlich und dennoch eher neutral. Als Altwein erreicht der Weißburgunder seine höchste Qualität und einen vollmundigen Geschmack. Gereift hat dieser Weißwein einen Geschmack nach frischem Brot. Weißburgunder aus den eher südlichen Anbaugebieten fehlt es etwas an Säure. Den Weißburgunder gibt es als trockene und kraftvolle Abfüllungen, die einen leicht nussigen Geschmack haben. Der Duft von einem Weißen Burgunder ist zart. Durch die frische Säure und den feinen Fruchtgeschmack handelt es sich beim Weißburgunder um einen idealen Menüwein. Die leichteren Sommerweine eignen sich auch sehr gut dazu einfach am Abend mal auf der Terrasse einen Schoppen mit Freunden zu trinken.

Wozu passt Weißburgunder?

Der Weißburgunder harmoniert sehr gut mit hellem Fleisch. Das heißt, zu leckerem Putenfleisch oder einem Knusperhähnchen darf ein solch guter Weißwein nicht fehlen. Ein sehr guter Begleiter ist der Weiße Burgunder auch zu Lammgerichten. Es ist dabei egal, ob das Fleisch gebraten oder gegart ist. Der Wein passt auch hervorragend zu einem würzigen Stück Käse und zu Spargelgerichten. Darüber hinaus passt der Weißburgunder auch fantastisch zu Fisch und Meeresfrüchten. Und auch zu Jungwild und Kalbfleisch lässt sich ein guter Tropfen Weißer Burgunder sehr gut verkosten.

Bekannte Weißburgunder

Zu den bekannten Weißen Burgunder Weinen gehört zum Beispiel der Weißburgunder vom Weingut Zähringer. Dieser Wein gehört zu den trockenen Weißweinen, hat einen Alkoholgehalt von 13 % vol. und eine Restsüße von 2,8 g/l sowie einen Säuregehalt von 4,1 g/l.

Unser Tipp ist der  Weissburgunder von Keltern

Und auch der Weißburgunder Alte Reben 2020 aus dem Winzerkeller Auggener Schäf ist ein vollmundiger Weißwein mit einem Geschmack nach reifen Äpfeln und Birnen.

Dies waren zwei Beispiele für Weißburgunder aus Deutschland. Auch in den angrenzenden Ländern Frankreich und Österreich sowie der Schweiz spielt der Weißburgunder eine recht große Rolle. In Deutschland ist es eine Rebfläche von ca. 5.700 Hektar und damit rund 5,6 Prozent der Gesamt-Rebfläche des Landes, die von dieser Rebfläche bepflanzt ist. Allein in Baden sind es rund 1.600 Hektar, auf denen die Weißburgunder Reben angepflanzt werden. Baden ist somit die Hochburg des Weißburgunders in Deutschland. Danach folgen mit ca. 1.500 Hektar Rheinhessen und mit 1.350 Hektar die Pfalz. In Italien ist die Anbaufläche der Weißburgunder Reben mit 17.000 Hektar wesentlich größer. Sehr bedeutend in Europa ist bei dieser Rebsorte die Anbaufläche im Elsass. Hier wurden die Flächen in den letzten Jahren stetig erweitert.

Fazit

Weißer Burgunder hat eine lange Anbautradition und lässt sich zu vielen unterschiedlichen Gerichten genießen. Im Glas präsentiert sich der Wein blass- bis dunkelgelb und hat einen kräftigen Körper. Ein Wechsel vom trockenen oder süßen Rotwein hin zum etwas herberen Weißburgunder lohnt sich auf jeden Fall. Es lohnt sich zudem durch die verschiedenen Weißburgunder Sorten unterschiedlicher Keltereien einfach einmal durchzuprobieren und sich dann zu entscheiden welcher Wein zu welchem Gericht getrunken wird.